Pressemitteilung des Besetzenden Kollektivs zum Ende der Audimax-Besetzung auf dem
Campus Stadtmitte am 16.12.2009
Die Studierenden des Besetzenden Kollektivs zogen am gestrigen Mittwoch, den 16.12.2009 nach
exakt einem Monat der Besetzung aus dem größten Hörsaal des Campus Stadtmitte aus. Nach einer
Senatssitzung, in der sie ihre Forderungen ins Gremium tragen konnten, sehen sie die
Möglichkeiten der Besetzung als ausgeschöpft an. In den Punkten, in denen keine Übereinstimmung
erreicht werden konnte, müssen alternative Protestformen entwickelt und in den Gremien das
Versprochene sobald wie möglich umgesetzt werden. „Daher ist das Mittel der Hörsaalbesetzung
momentan nicht adäquat; eine Fortführung der Besetzung bis nach der Senatssitzung wurde von uns
nie angestrebt, wird aber auch zukünftig nicht ausgeschlossen.“ so Nils Langer vom Besetzenden
Kollektiv.
Zwar verlief die Sitzung in Teilen positiv, dennoch bleiben massive Meinungsunterschiede, zum
Beispiel über die Rolle der Hochschule in der Gesellschaft und die strukturelle Neuausrichtung der
Universität („Masterplan 2.0“). „Das vom Rektorat vertretene Ideal einer sogenannten
‘unternehmerischen Hochschule’ lässt sich nicht mit unseren Vorstellungen von freier Bildung und
kritischer Reflexion vereinbaren“ sagt Halina Blatt-Stevens vom Besetzenden Kollektiv. Daniel
Sprenger ergänzt: „Obwohl im Senat verschiedene Vorschläge zum Erhalt der Geistes- und
Sozialwissenschaften als jeweils eigenständige Fakultäten gemacht wurden, geht von Seiten des
Rektorats keine Bewegung in diesem Punkt aus.“ Auch andere in diesem Kontext stehende
Forderungen wie der Ausstieg aus der Exzellenzinitiative und dem Hochschulranking der
Bertelsmann-Stiftung fanden kein Gehör im Senat.
Dennoch verweisen die Studierenden auf Erfolge, die direkt auf die Besetzung zurückzuführen sind.
“Durch den Bildungsstreik wurden unmittelbar Forderungen umgesetzt. Soviel Wirkung sind wir
von den Protesten der letzten Jahre nicht gewohnt“, sagte David Hoffmann, einer der studentischen
Vertreter im Senat.
So wird eine hochschulweite Bachelor-Master-Reform unter Beteiligung der Streikenden erarbeitet.
Ebenso wird es von den Studierenden als Erfolg gewertet, dass ihre Forderung nach mehr
studentischer Mitbestimmung trotz Ablehnung des Rektorats im Senat auf große Resonanz stieß.
Außerdem werden dank der Proteste auch künftig alle Fächerkombinationen des Lehramtsstudiums
angeboten und die Gremienarbeit honoriert. Die entsprechenden Beschlüsse werden für Anfang
2010 erwartet.
Dennoch soll der Protest mit dem Auszug noch nicht beendet sein, die Studierenden wollen sich
jetzt der Umsetzung des Erreichten widmen und vermehrt inhaltlich arbeiten. „Noch ist in zu vielen
Punkten keine tatsächliche Gesprächsbereitschaft erkennbar.“ sagt Sebastian Fauser, Mitglied des
Besetzenden Kollektivs. In neuen, eigenen Räumen innerhalb der Universität wird nun vor allem
der Erhalt der Fakultäten 9 und 10 forciert und Konzepte für eine gesellschafts- statt
wirtschaftsorientierte Ausrichtung der Hochschule entwickelt.
Darüber hinaus wird auf die Umsetzung der bereits formulierten Forderungen an das
Wissenschaftsministerium, sowie die reformunfähige Kultusministerkonferenz in Abstimmung mit
weiteren Universitäten Baden-Württembergs hingewirkt.
Das Besetzende Kollektiv
Danke für euren Einsatz! – Es hat sich doch gelohnt, auch wenn nicht alles erreicht werden konnte, lässt sich die gewonnene Aufmerksamkeit und einige Ziele doch sehen…
Bericht der Stuttgarter Zeitung:
http://redir.ec/StZ-Ende-Hoersaalbesetzung
Er kann gerne auch von Studenten kommentiert werden…
Danke für Euren Einsatz!
Was ihr gemacht habt, war absolut großartig! Danke!
Die Aktion war ja ganz nett, aber letzten Endes haben die ganzen Proteste bisher noch nicht all zu viel ändern können.
Die einzige Möglichkeit, nachhaltig etwas zu verändern sind Wahlen.
Wenn kein Student bei der nächsten Wahl CDU, SPD und FDP wählt, und jeder Student ein paar Freunde und Familienangehörige überreden kann, ebenfalls andere Parteien zu wählen, die unsere Ansichten zum Thema Bildung teilen, dann wird das einen viel stärkeren Effekt haben.
Ich würde also vorschlagen, anstatt irgendwelche Gebäude zu besetzen: bei der LTW 2011 CDU abwählen
Was denkt ihr was los wäre, wenn es eine Regierung aus Piratenpartei und Grünen geben würde *träum*
Die Jungs und Mädels haben dm Rektorat in vier Wochen wohl mehr Zugeständnisse abgerungen als 2005 in vier Monaten Besetzung. (Glaube ich zumindest). Also war das schon ein Erfolg.
Die Sache mit den Wahlen sollte selbstverständlich sein. Studenten die nicht wählen gehen … aber naja. Nur warum Piraten wählen? Weil sie so einen coolen Namen haben? Wegen den Zielen kann es ja in dem Bereich nicht sein. Oder haben sie inzwischen Ziele?
Wirklich gelungene Aktion. Ich bin sehr froh das es ohne gewaltsame Räumung und strafanzeigen ausgegangen ist. Vor eurem Mut und eurer Ausdauer habe ich großen Respekt! Vielen Dank auch von mir!
endlich is der hörsaal wieder frei. war schon stressig immer wo anders hin zu gehn oder die ganzen ausgefallenen vorlesungen.